//Interview mit dem Handwerksblatt, Thema: “Influencer im Handwerk”

Interview mit dem Handwerksblatt, Thema: “Influencer im Handwerk”

Lässig geht’s bei den Kettensägen-Cowboys aus Kissing (Bavaria) zu. Die Naturstammbauer legen viel Wert auf die Qualität ihrer Blockhäuser, aber auch auf ein herzliches Miteinander. Dies alles setzt Bruno Bauer auf Instagram, Pinterest & Co. in Szene.

Einen Chief Heart Officer dürften wohl nur die wenigsten Handwerksbetriebe haben. Bruno Bauer kümmert sich aber nicht nur um das Wohlergehen der Mitarbeiter, sondern bestückt bei den “Naturstammbauern” vor allem die Social-Media-Kanäle. Mit seiner Wahl dürfte Geschäftsführer Tobias “Tobi” Graf buchstäblich ins Schwarze getroffen haben. Er  rekrutierte den gelernten Grafiker und passionierten Bogenbauer Bruno Bauer direkt von einem Mittelaltermarkt weg.

DHB: Ihr habt euch auf das Bauen mit Holz, vor allem von Blockhäusern, spezialisiert. Das dürfte in Deutschland immer noch recht exotisch sein. Seid ihr deshalb auf Social Media unterwegs?
Bruno: Jeder Handwerksbetrieb muss sich sichtbar machen. Das ist das A und O. Anfangs wollte wir über Instagram natürlich Aufträge generieren. Inzwischen geht es uns aber vor allem darum, die Marke Naturstammbauer bekannter zu machen. 

DHB: Habt ihr die Auftragsakquise drangegeben?
Bruno: Das nicht, aber wir verkaufen nicht aktiv über Instagram. Ich habe noch nie den Satz “Kauft ein Haus von uns” im Feed benutzt. Das ist mir zu platt. Es freut uns einfach, wie begeistert die Leute auf unsere Projekte reagieren und wie viel positives Feedback sie uns darauf geben. Das ist der Wahnsinn. Und je mehr Freude sie an unserer Arbeit haben und es mit anderen teilen, desto sichtbarer werden wir und erreichen dabei die perfekte Zielgruppe: Naturverbunde Menschen, die vom eigenen Blockhaus träumen. 

DHB: Was bewegt denn eure Abonnenten und die Besucher eures Instagram-Profils am meisten? 
Bruno: Bei 80 bis 90 Prozent der Fragen geht es um technische Details. Die Leute wollen wissen, wie wir beispielsweise ein Dach oder einen Boden bauen oder wie wir die Stämme sägen.

DHB: Macht ihr euch nicht selbst arbeitslos, wenn ihr den Leuten zeigt, wie sie ihr eigenes Blockhaus bauen können?
Bruno: Nein. Es gibt viele Enthusiasten, die davon träumen, sich eines Tages auf ihrem Grundstück selbst eine kleine Gartenlaube oder gleich ein ganzes Blockhaus zu bauen. Das ist in vielen Fällen alleine und ohne Fachkenntnisse in unserer angebotenen Qualität ohnehin nicht machbar. Doch wenn sie es selbst probieren möchten, geben wir ihnen diese Informationen oder zeigen es ihnen sogar. Wir wollen unseren Besuchern auf Social Media einen Mehrwert bieten. Andere Betriebe sehen das anders. Sie möchten keine Geheimnisse preisgeben, aber es ist nichts Geheimnisvolles daran, ein Haus aus Holz zu bauen. Generationen von Zimmerern wissen wie es geht. Warum sollten wir es dann verschweigen? 

DHB: Du bist gelernter Mediengestalter, kein Zimmerer. Sprichst du dich wegen der Posts mit Tobi ab?
Bruno: Mit ihm und den anderen Zimmerern. Wir haben dafür intern eine eigene Gruppe auf WhatsApp. Sobald eine Frage auftaucht, stelle ich sie dort hinein. Im Laufe des Tages reagiert einer der Jungs darauf. Die Antwort leite ich dann auf den jeweiligen Kanal weiter. 

DHB: Social-Media-Nutzer gelten nicht gerade als geduldig. Erwarten sie nicht sofort eine Antwort von euch? 
Bruno: Die meisten haben kein akutes Problem, sondern wollen es rein interessehalber für zukünftige Projekte wissen. Abgesehen davon geht bei uns Gründlichkeit vor Schnellligkeit. Ich versuche die Fragen so fundiert wie möglich zu beantworten und hake auch nach, ob die Antwort ausreicht oder ob noch mehr Informationen benötigt werden. Schließlich haben wir an dieser Stelle eine gewisse Verantwortung. Viele freuen sich riesig darüber, dass wir überhaupt antworten. Für uns ist das selbstverständlich, weil Kommunikation keine Einbahnstraße ist. Es gibt Betriebe, die Instagram nur für Werbezwecke nutzen und ihre Abonnenten lediglich als reine Konsumenten sehen. Und wenn die nichts kaufen wollen, kriegen sie auch keine Rückmeldung. Damit verprellt man sich sein Publikum. 

DHB: Woher beziehst du dein Wissen über Social Media? 
Bruno: Ich schaue mir Videos auf YouTube an oder recherchiere über Google. Früher oder später stößt man auf Personen, die einem sympathisch sind und von denen man sehr viel lernen kann. Deren Kanal abonniere ich oder trage mich in deren Newsletter-Liste ein. Einer davon ist Gary Vaynerchuk. Er setzt mit seiner Marketingfirma 400 Millionen Dollar um und schafft das nicht obwohl, sondern weil er an den Mehrwert seines Publikums denkt. Wenn er sagt: “Schaut euch TikTok an oder geht auf LinkedIn”, dann sollte man das machen. Besonders gut gefällt mir aber, dass er sich sehr sozial gegenüber seinen Mitarbeitern verhält und eben kostenlos sein Wissen weiter gibt. Diese Einstellung teilen wir mit ihm. Deshalb haben wir auch eine Sache von ihm übernommen und den Posten des Chief Heart Officer eingeführt. 

DHB: Wer ist denn euer Chief Heart Officer und was macht er genau?
Bruno: Das ist mein Part. Ich kümmere mich darum, dass es den Mitarbeitern und den Kunden gut geht und dass wir respektvoll miteinander umgehen. Uns ist es wichtig, mehr Menschlichkeit in die Welt zu bringen. Wirtschaftliches Wachstum ist gut, aber wir wollen es dazu nutzen, mit anderen Betrieben zu wachsen, die genauso sozial eingestellt sind wie wir. Man muss immer die Veränderung sein, die man sehen will. Social Media ist die ideale Plattform, um zu zeigen, dass es bereits Realität sein könnte. 

DHB: Wie sieht deine tägliche Arbeit aus? 
Bruno: Ab circa 9 Uhr bin ich im Büro. Ich bespreche mit den Geschäftsführern die Tagesordnung und wir tauschen Ideen und Eindrücke aus. Anschließend bestücke ich die verschiedenen Plattformen. Wir sind auf Instagram, Pinterest, Facebook, Twitter und LinkedIn vertreten. Außerdem muss ich die Homepage bestücken und den Eintrag auf Google My Business pflegen. In der Regel stelle ich die Posts für unsere Social-Media-Kanäle für ein bis zwei Tage im Voraus ein. Wenn alles optimal läuft, veröffentliche ich diese Beiträge auch noch bei LinkedIn. Die Homepage zweimal die Woche mit einem kleinen Blogeintrag oder einer Fotogalerie zu aktualisieren, hatte ich mir vorgenommen, aber es klappt aktuell leider ziemlich selten. 

Das komplette Interview findet ihr hier:
https://www.handwerksblatt.de/themen-specials/influencer-wollen-lust-aufs-handwerk-machen-1/influencer-im-handwerk-006-bruno-bauer

Sonnige Grüße aus kissingBAVARIA

2021-02-08T11:25:58+01:00 08. Februar 2021|Allgemein|